Mittwoch, 30. November 2011

Anmietung des Katzenapartments
Wir ziehen also wieder um, allerdings nicht für lange, denn dieses Haus wird auch aufgekauft und der neue Besitzer bedeutet mir, dass die Katzen verschwinden müssten, da er sehr bald mit Renovierungsarbeiten beginnen würde.

Er bietet mir aber an das Erdgeschoss-Apartment anzumieten. Ich überlege nicht lange und die Katzen ziehen am 1. Juli in das neue Zuhause um. Das Apartment hat den Vorteil, dass ich dort Futter lagern kann und einen Wasseranschluss habe. Ich säge ein Loch in die Eingangstür und nach hinten heraus können die Katzen das Haus auch verlassen. Nach ein paar Tagen finden sich alle Katzen, also Meow, Lady, Lucy, Pico, Johnny, Catherine und zuweilen auch Mimi zur Fütterung ein.

Catherine und Mimi allerdings ziehen es vor, das Haus nach der Fütterung durch die rückwärtige Maueröffnung zu verlassen und sich auch hauptsächlich an den angrenzenden Häusern aufzuhalten.

Sonntag, 27. November 2011

Brand in der Soi 2
Im Barbereich der Soi 2 hausen neben Mimi auch noch zwei weitere ältere Katzen, von denen eine drei Junge bekam, die ich ab und zu im Gerümpel verschwinden sehe. Nach etwa einem Monat werden sie zutraulicher und ich beginne sie beizufüttern. Es sind zwei Kater, die ich Jimmy und Johnny taufe und eine Katze, der ich den Namen Catherine verpasse.

Zur etwa gleichen Zeit bekommt Lady zwei Junge auf dem Dach neben meinem alten Apartment in der Soi 14. Sie bekommen von mir den Namen Lucy und Pico.

Am 13. Juni gehe ich wie üblich abends nach Mimi, Jimmy, Johnny und Catherine schauen und muss zu meinem Entsetzen feststellen, dass der Schnapsladen und die angrenzende Bar abgebrannt sind. Nach einigem Suchen und Rufen finden sich Mimi und Catherine ein, von Johnny und Jimmy ist aber keine Spur.

Tags darauf kommen auch Johnny und Jimmy wieder aus der Versenkung hervor und ich bin heilfroh, dass ihnen nichts passiert ist.

Einige Tage später höre ich, dass nun endgültig der Barbereich platt gemacht werden und einem Hotelneubau weichen soll. Tags darauf haben die Abbrucharbeiten bereits begonnen und von den Katzen natürlich keine Spur. Ich fahre in mein Apartment und komme mit einem Plastikkorb zurück in der Hoffnung zumindest einige Katzen wieder zu finden, um sie im Abbruchhaus in der Soi 14 einzuquartieren. Ich finde auch Jimmy und Catherine nach einer Weile und schaffe es sie in den Korb zu bugsieren. Ich fahre sie in die Soi 14 und lasse sie dort im Abbruchhause frei. Ich weiß dass es zu Kämpfen mit Lady und Meow kommen kann, habe aber keine andere Wahl.

Am nächsten Tag finde ich auch Mimi und Johnny und transportiere sie getrennt in die Soi 14. Mimi hat sich nie mit Jimmy, Johnny und Catherine vertragen.

Als ich in der Soi 14 ankomme, sehe ich in der oberen Etage eine Menge Blut und Haare auf dem Boden und befürchte das Schlimmste. Meow und Lady haben sich feindselig gegenüber den Neuzugängen verhalten und Jimmy und Catherine sind völlig verschüchtert.

Am folgenden Tag ist Jimmy verschwunden, Catherine muss ich von einem Baum holen und Johnny hat sich in einer Ecke verkrochen. Nur Mimi scheint die Umsiedlung gut verdaut zu haben und hat sich schon mal in der Nachbarschaft umgesehen.

Die nächsten Tage bringen eine gewisse Normalisierung mit sich aber das nächste Ungemach bahnt sich an. Der Squatter, der sich ebenfalls im Abbruchhaus niedergelassen hat – der Gleiche übrigens, der Meow so schmählich vernachlässigt hatte, als ich in Deutschland war – teilt mir mit, dass das Haus den Besitzer gewechselt hat und komplet renoviert wird. Ein Gebäude zwei Häuser weiter würde aber frei und ich könne mit den Katzen dorthin umsiedeln.

Samstag, 26. November 2011

Pipo und Hoi
Als ich Anfang Februar 2011 vor die Tür trete, sehe ich einen nackten Spatz auf dem Treppenabsatz liegen; offensichtlich aus einem Nest gefallen, das seine Eltern in der Markisenverkleidung gebaut hatten.

Sein linkes Beinchen ist gebrochen und er piept ganz jämmerlich. Ich nehme ihn mit zu mir ins Apartment, und da ich nicht weiß, was ein junger Spatz so frisst, fange ich ein paar Moskitos, die er auch annimmt. Ich baue ein Nest aus Papiertaschentüchern und bin ganz erstaunt, dass er am nächsten Morgen noch lebt. Da die Moskitos ausgeflogen sind, kaufe ich frisches Gehacktes was Pipo, so nenne ich ihn, gierig verschlingt.

Ich suche das Internet nach Informationen ab, wie so ein junger Spatz aufzuziehen ist und bekomme Kontakt zu einem amerikanischen Vogelfreund, der mich allerdings warnt den Kontakt zu Pipo nicht zu eng werden zu lassen, da er ansonsten niemals mehr in die Freiheit entlassen werden kann. Aber mit seinem gebrochenen Bein sehe ich Pipos Überlebenschancen in Freiheit sowieso als nur gering an und will einfach von Tag zu Tag sehen, wie er sich entwickelt.

Eine Woche später entschließe ich mich aus dem Haus meines Projektpartners auszuziehen, da sich unsere persönliche Beziehung über die Monate ständig verschlechterte und das Projekt nur gerettet werden kann, indem wir uns räumlich voneinander entfernen. Eine Ursache unserer Probleme ist, dass ich völlig mittellos bin und mir, um weiter in Thailand bleiben zu können, mir ständig irgendwoher Geld borgen muss.

Ein Bekannter bietet mir an für eine gewisse Zeit in seinem Haus zu wohnen. Ich gebe ihm dafür einen Teil meiner Möbel. Den Rest stelle ich in seiner Garage unter und bereite mich schon innerlich auf meine Abreise nach Deutschland vor. Mein Tierhilfeprogramm scheint damit auch erledigt zu sein. Und das tut mir mehr weh als mein persönliches Scheitern.

Solange ich aber noch da bin, versuche ich die Tiere so gut als möglich weiter zu versorgen. Pipo wächst heran und scheint trotz seiner Behinderung sein Leben zu genießen. Als er flügge wird, nehme ich ihn in den Garten und lasse ihn aus seinem Käfig. Er hüpft ein wenig herum und macht ungeschickte Flugversuche. Nach einigen Tagen des Trainings fliegt er schon ein paar Meter und ich renne hinter ihm her, damit er nicht auf das Nachbargrundstück fliegt. Aber nach einigen weiteren Tagen kennt er das Terrain und ich kann ihn überall absetzen und mich von ihm entfernen. Wenn ich ihn rufe fliegt er auf mich zu und setzt sich auf meine ausgestreckte Hand.

Ende Februar erreicht mich ein Anruf von Rick, meinem früheren Vermieter. Er fragt mich, ob ich bereit sei einen Job für einen Anwalt zu erledigen. Er habe dafür keine Zeit und die Arbeit sei gut bezahlt. Natürlich kontaktiere ich den Anwalt und erledige den Job wohl zu seiner Zufriedenheit. Ich wittere meine Chance und kann ihn schließlich überzeugen mich fest anzustellen.

Am 8. März trete ich meinen neuen Job an und miete mich in einem kleinen Apartment ein. Pipo nehme ich natürlich mit, obwohl mein neuer Vermieter bei seinem Anblick die Stirn runzelt.

Beim Einzug sehe ich einen Hund vor dem Eingang liegen, von dem ich später erfahre, dass er Hoi heißt. Er ist auch ein Straßenhund, doch mein Vermieter duldet ihn im Haus und versorgt ihn. Schnell schließe ich Freundschaft mit Hoi und bringe ihm ab und zu auch einen Knochen mit, wenn ich von der Arbeit komme.

Bevor die Dunkelheit einsetzt, gehe ich mit Pipo zu einem in der Nähe gelegenen Brachland und lasse ihn frei. Ich setze mit ihm das Flugtraining fort und bald schon fliegt er an die hundert Meter an einem Stück. Wenn ich aber vergleiche, wie elegant die anderen jungen Spatzen fliegen, muss ich anerkennen, dass ich ein schlechter Lehrmeister bin. Zuweilen landet Pipo nicht bei mir und verschwindet irgendwo im Gebüsch.

Mehrfach gebe ich fast auf ihn wieder zu finden und einmal ist es dann so weit. Trotz intensiver Suche kann ich ihn bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht entdecken. Als ich dann am anderen Morgen nach ihm schaue sitzt er doch tatsächlich auf seinem gewohnten Abflugplatz und ich bin erleichtert, ihn nicht verloren zu haben.

Ein anderes Mal, als ich ihn auf einem anderen Grasplatz fliegen lasse, weil der alte Platz gerodet wurde, verschwindet Pipo zwischen angrenzenden Apartmenthäusern, und obwohl ich ihn sehe, kann ich ihn nicht erreichen. Schließlich landet er auf einem Vordach, auf dem sich eine Katze sonnt und ich ahne Schlimmes. Er entkommt aber der Gefahr und mit Hilfe von Anwohnern, die mich allerdings für dingdong (ein Thaiausdruck für jemanden der leicht bekloppt ist) halten, gelingt es mir Pipo wieder einzufangen.

Manchmal denke ich, dass es vielleicht für Pipo besser wäre noch ein paar Tage in Freiheit zu verbringen bevor das Unvermeidliche eintreten würde, als sein ganzes weiteres Dasein überwiegend in einem Käfig zu verbringen. Ich will ihn jedoch nicht seinem Schicksal überlassen.

Eines Tages jedoch nimmt er mir die Entscheidung ab; ich finde ihn morgens tot in seinem Käfig. So leid mir sein Tod tut, so bin ich doch auch ein wenig erleichtert, dass er es hinter sich gebracht hat und ich hoffe, dass er das Gefühl genossen hat, zumindest ein wenig herumfliegen zu können.

Donnerstag, 24. November 2011

Old Man, Blacky und Babe
Die Nachbarin, die mir sagte, dass Paula Doggys Mutter ist, hatte sich einem alten Rüden angenommen, der sich anscheinend vorgenommen hatte seine letzten Tage vor ihrer Haustür zu verbringen. Jedes Mal wenn ich an ihm vorbeiging, knurrte er mürrisch, und auch wenn er sich anderen Hunden zuwandte, tat er das in einer eher unfreundlichen Weise. Er litt offenbar an den Folgen eines Unfalls, denn seine Vorderläufe schienen gebrochen worden zu sein und waren wohl unversorgt verheilt. Es machte dem alten Mann deshalb große Schwierigkeiten selbst kurze Distanzen zu laufen.

Etwa zwei Monate nach meiner ersten Bekanntschaft mit Doggy zog die Nachbarin aus, nahm ihre Hunde mit aber ließ Old Man, so nannte ich ihn, zurück. Als er kapierte, dass seine Versorgerin nicht mehr wiederkehren würde, begann er stundenlang an zu heulen. Ich konnte schließlich sein Leid nicht mehr ertragen und näherte mich ihm. Überraschenderweise knurrte er mich nicht an, sondern schaute zu mir auf und wedelte mit dem Schwanz. Er brauchte offensichtlich einen neuen Versorger.

Da Doggy ein sehr freundlicher Hunde war, nahm auch sie sich ihm mitleidig an und Old Man war sehr dankbar für ihre Anteilnahme. Zu dieser Zeit unternahm ich mit Doggy und Paula eine allabendliche Runde um den Block. Einige Tage, nachdem er mich zu seiner Futterquelle erkoren hatte, entschloss sich Old Man den Spaziergang mitzumachen. Während Doggy und Paula die Gasse entlangtobten, hoppelte er keuchend hinter uns her.

Obwohl es Old Man nicht leicht fiel uns zu folgen hielt er einige Wochen eisern durch und verbesserte sein Fitnesslevel. Seine Bemühungen kamen allerdings zu einem abrupten Halt als ein großer, schwarzer Rüde zu uns stieß, dessen Laufvermögen offenbar einen frustrierenden Eindruck auf Old Man hinterließ.

Rowdy war trotz seiner robusten Erscheinung ein sehr freundlicher Hund, der sich nie auf irgendeine Konfrontation einließ. Das änderte sich allerdings als Blacky auftauchte, der offenbar wie Rowdy auch erkunden wollte, ob sich das Territorium für ein Verweilen eignete.

Rowdy und Blacky waren von gleicher Größe und beide waren sehr kräftig gebaut. Und so gutmütig Rowdy’s Wesen war, so zweifelhaft schien Blackys Persönlichkeit.

Nach einigen Tagen heftiger Auseinandersetzungen zwischen den beiden räumte Rowdy schließlich das Feld und kam nie wieder zurück. Ich war absolut nicht glücklich über diese Situation, denn Blacky versuchte nun allen Hunden im Gebiet seine Dominanz zu demonstrieren.

Von den Anwohnern mochte keiner den neuen Eindringling, denn er schüchterte deren Hunde ebenso ein. Auch ich war von seiner Anwesenheit nicht begeistert, was ihn allerdings nicht hinderte Rowdys Platz in unserer Runde um den Block einzunehmen.

Natürlich fütterte ich auch ihn und nach einer Weile gelang es mir ihn zu lehren nicht nach dem Futter, das ich den anderen Hunden gab, zu schnappen. Nachdem Blacky sich zunehmend Mühe gab sich friedlich zu verhalten, machte es mir auch Spaß ihn auf unseren abendlichen Runden dabei zu haben und auch er genoss offenbar meine Anwesenheit. Später wurden wir sogar dicke Freunde und machten fast jeden Abend einen ausgedehnten Spaziergang durch eine angrenzende Siedlung.

Obwohl er dort jedem anderen Hund körperlich weit überlegen war, ließ er sich selbst durch wütendes Gebell nicht provozieren und ich hatte nur einmal Stress mit ihm, als ihm die Sicherung durchbrannte, nachdem ihm eine ganze Meute umrundete und er sie bis in deren Haus verfolgte. Ich packte schließlich die schwarze Bestie am Nacken und zerrte sie hinaus. Ein bisschen wunderte ich mich selbst über meinen Mut, denn Blacky war außer sich vor Rage. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er mich nicht beißen würde und so war es dann auch. Glücklicherweise blieb dieser Vorfall sowohl für einen der anderen Hunde als auch für mich ohne Folgen.

Mitte Juli sehe ich eines Tages eine neue Hündin vor der Tür eines Shophauses liegen. Sie hat ein braun-weiß geflecktes Fell und ist recht gut genährt. Als ich mich ihr nähere, blickt sie mich sanft aus ihren hübschen braunen Augen an. Wie ich Babe streichele, stelle ich fest, dass ihre Haut mit schorfigen Stellen übersät ist und sie von Zecken geplagt wird. Ich versuche so viele wie möglich von diesen Plagegeistern zu entfernen, was sie geduldig über sich ergehen lässt. In der Folge habe ich ein neues Aufgabengebiet, denn Babe scheint die Zecken wie ein Magnet anzuziehen.

Sonntag, 20. November 2011

Doggy und Paula
Ende März traf ich auf Doggy. Ich nannte sie so, weil sie der erste Hund war, der mir auffiel, und behielt dann den Namen für sie später bei. Ich fuhr gerade mit meinem Scooter auf die Hauptstraße vor dem Haus, in dem ich nun wohnte, als ich auf dem Bürgersteig eine Katze in einer seltsamen Position liegen sah. Ich hielt an und stellte fest, dass sie entweder bewusstlos war oder gerade gestorben, denn sie fühlte sich warm an.

Zwei Schritte neben der Katze lag ein hübscher, brauner, junger Hund, der sich auf den Rücken drehte, als ich mich ihm näherte als wollte er sagen: Das war ich nicht! Ich nahm die Katze auf und brachte sie in die Klinik. Die Tierärztin erklärte sie für tot.

Einige Tage später sah ich Doggy vor meinem Haus und sie näherte sich mir freundlich mit dem Schwanz wedelnd. Schon bald wurden wir Freunde und ich fütterte sie regelmäßig. Für einen Straßenhund war sie in sehr guter Verfassung, die sich in den folgenden Wochen noch verbesserte. Doggy war noch jungfräulich und so entschied ich mich sie Ende Juni sterilisieren zu lassen. Ich beließ sie fünf Tage in der Klinik und nahm sie noch einen Tag zu mir ins Apartment; danach war sie wieder genesen.

Nicht lange nach ihrer Sterilisation erschien sie einige Male mit einer anderen Hündin in ihrem Schlepptau an unserer Haustür. Zu Beginn war dieser Neuankömmling sehr scheu und hielt Abstand. Als sie aber sah wie sich Doggy von mir streicheln ließ fasste sie bald Vertrauen und ich konnte auch sie tätscheln.

Eine Nachbarin, die mehrere Hunde bei sich im Haus hatte und auch Straßenhunde vor ihrer Tür fütterte sagte mir, dass die neue Hündin Doggys Mutter sei, und so adoptierte ich Paula, so nannte ich sie, dann auch.

Doggy liebte es in meinem Apartment zu liegen, wenn es draußen zu heiß war und sie blieb auch häufig bis spät in die Nacht bei mir. Wenn aber der Morgen graute, verlangte sie herausgelassen zu werden. Ich nahm auch Paula einige Male mit hinauf aber sie zog es vor draußen zu bleiben und war auch meistens bis zur Abenddämmerung verschwunden.

Doggy und Paula verstanden sich sehr gut. Sie spielten oft miteinander und wir machten jeden Abend eine gemeinsame Runde um den Block.

Am 22. September ließ ich Doggy wie gewöhnlich in den frühen Morgenstunden heraus, und als ich dann am Morgen vor die Tür trat, bemerkte ich etwas Seltsames.

Doggy hatte sich unter einem Auto verkrochen und blickte angstvoll zu Paula auf, die wütend auf sie einbellte. Doggy war offensichtlich verwirrt und es kostete mich einige Mühe sie unter dem Auto hervorzulocken. Sofort fiel Paula sie an und jagte sie die Gasse entlang. Ich folgte ihnen und es gelang mir mich nach einigen Hundert Metern zwischen sie zu stellen.

Doggy zitterte am ganzen Körper als ich sie in den Arm nahm. Erst nachdem Paula außer Sicht war, beruhigte sie sich allmählich. Ich ließ Doggy allein und machte mich auf die Suche nach Paula. Nach einigen Minuten sah ich sie nicht weit vom Haus entfernt laufen. Ich rief sie, aber sie reagierte nicht und lief weiter in Richtung Hauptstraße.

Am Abend informierte mich ein Nachbar, dass Paula von einem Auto erfasst worden war, als sie die stark befahrene Straße überquerte. Sie war angeblich sofort tot.

Samstag, 19. November 2011

Ein neuer Beginn
Am 18. Februar 2010 war ich schließlich wieder in Pattaya, zog in das Zimmer, in dem meine Möbel lagerten, und begann am Projekt zu arbeiten. Noch am selben Tag ging ich direkt zu meinem alten Apartment um nach Meow und Pussy zu schauen. Das Apartment war noch nicht weiter vermietet und so bat ich Rick mir die Schlüssel zu geben. Bis spät in die Nacht saß ich auf der Terrasse um auf die Katzen zu warten aber weder Meow noch Pussy zeigten sich.

In der Hoffnung, dass die Katzen irgendwann mal auftauchen würden, wartete ich nun jeden Abend auf der Terrasse und stellte auch Futter und Wasser hin. Zugang hatte ich über ein Abbruchhaus zwei Häuser weiter und von dort über die Terrassen der Nachbarhäuser. Futter und Wasser fanden auch Abnehmer und nach drei Tagen sah ich Lady auftauchen. Von Meow und Pussy aber weiterhin keine Spur.

Eines Tages Ende Februar entdeckte ich zwei Kätzchen, die vom Dach des Nachbarhauses zu mir herabschauten. Lady hatte offensichtlich wieder für Nachwuchs gesorgt. Nach ungefähr einer Woche kamen die beiden Kätzchen zögerlich herunter, um sich über die Futternäpfe herzumachen. Sobald ich ihr Geschlecht erkannte, gab ich ihnen Namen, wie ich es immer tue, wenn ich eine Beziehung zu einem Tier aufnehme. Unglücklicherweise überlebte nur Knurri; Lee erschien nach einem Monat nicht mehr und ich sah sie auch nie wieder.

Knurri nannte ich so, weil er häufig knurrte, nicht weil er ärgerlich war, sondern einfach nur so, war so seine Art. Knurri war sehr vorsichtig in allen seinen Bewegungen und hielt immer gehörigen Abstand von mir. Ich konnte ihn nur einmal anfassen und das war am letzten Tage seines jungen Lebens am 15. Februar 2011.

Ich fand ihn versteckt unter einem Haufen Gerümpel von einem verlassenen Haus. Er schrie jämmerlich und als ich genauer hinsah, stellte ich fest, dass er seine Hinterbeine nicht bewegen konnte und offensichtlich heftige Schmerzen hatte. Ich zog ihn vorsichtig aus dem Gerümpel, besorgte mir einen Korb und fuhr mit ihm in die Klinik.

Die Tierärztin teilte mir mit dass Knurris Rückgrat gebrochen sei und dass sie ihm nicht helfen könne. Sie empfahl ihn zu euthanisieren. In dem Moment, wo die Ärztin ihm die Spritze setzte, schaute mich Knurri voller Verzweiflung an und ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten.

Zurück in das Jahr 2010.
Am Abend des 17. März, als ich wie immer auf der Terrasse saß und gerade Lady und Knurri fütterte, sah ich wie ein großer schwarzer Kater auf der Brüstung der Nachbarterrasse entlang ging. Als der Kater näher kam, erkannte ich nicht dass es Meow war, aber als ich ihn ansprach, kam er auf mich zu, strich um meine Beine und ließ sich von mir streicheln. Ich hatte es ja schon fast aufgegeben ihn wieder zu sehen und war so erleichtert, ihn noch unter uns zu finden.

Donnerstag, 17. November 2011

Abschied von den guten Zeiten
Zurück zu Meow und Pussy.
Trotz aller Probleme und Aufregungen, die ich mit ihnen hatte, genoss ich doch das Zusammensein mit den beiden. Da ich jedoch keinen geeigneten Job fand und mir das Geld ausging sah ich mich gezwungen das Angebot eines Bekannten anzunehmen ihm auf seinem Messeständen in Deutschland helfen, billige China-Uhren zu verhökern.

Glücklicherweise entschied sich ein Freund für die Monate September und Oktober in Pattaya Urlaub zu machen und ich bat ihn, sich in mein Apartment einzuquartieren und meine Katzen zu versorgen. Ich hatte vor, auf verschiedenen Messen in den kommenden zwei Monaten so viel Geld zu machen, dass ich danach mir in Ruhe einen Job suchen konnte, mein Apartment behalten und mein altes Leben mit Meow und Pussy wieder aufzunehmen.

Die Realität sah allerdings anders aus. Ich fühlte mich zusehends unwohl mit meinem Bekannten zusammenzuarbeiten, der ohne jegliche Skrupel den Kunden seine Billigstware aufzuschwatzen versuchte - und damit auch Erfolg hatte. Da ich keine Alternative für mich sah, arbeitete ich mit ihm noch für einige Tage auf der zweiten Messe zusammen, dann aber schmiss ich hin, um nicht weiter Schaden zu erleiden.

Anfang November entschied ich mich nach Pattaya zurückzukehren, obwohl ich kaum Geld in der Tasche hatte und nicht wusste, wie es weitergehen sollte.

Mein Freund hatte Meow, Pussy und auch Lady gut versorgt, und nachdem er einige Tage nach meiner Ankunft Pattaya in Richtung Deutschland verließ, bezog ich mein Apartment wieder.

Nachdem ich in den folgenden Wochen erfolglos versucht hatte mir einen neuen Job zu besorgen, entschloss ich mich schweren Herzens mein Apartment aufzugeben und fragte Rick, meinen Vermieter, ob er mir bei der Versorgung der Katzen helfen könne.

Er meinte, dass seine Frau das für einige Zeit übernehmen könne. Allerdings entschloss sie sich kurzfristig für einen längeren Besuch bei ihrer Familie in einer anderen Provinz und Rick schlug vor, Lung, der ihm bei allerlei Arbeiten half, die Aufgabe übernehmen zu lassen. Ich gab Rick Geld, um Lung für vier Monate zu entlohnen und ließ genügend Futter für mehrere Monate im Apartment zurück.

Meine Möbel stellte ich bei einem Bekannten unter und kehrte nach Deutschland zurück, um mich beim Sozialamt zu melden.

Dieser Bekannte, der mir erlaubte meine Möbel bei sich unterzustellen, betrieb seit Jahren einen Laden für traditionelle Thaimedizin. Er hing zu der Zeit auch in Deutschland fest und wir nahmen Kontakt auf. Er bot mir an, an einem Projekt mitzuarbeiten, mit dem er allein nicht recht weiter kam. Da ich total pleite war, ohne Aussicht auf einen Job, auf Stütze angewiesen und ohne eigene Wohnung, überlegte ich nicht lange und sagte meine Mitarbeit zu.

In der Zwischenzeit versuchte ich herauszufinden wie es Meow und Pussy erging. Ich hatte Emailkontakt mit Rick, der mir versicherte dass sich Lung um die Katzen kümmert und dass sie wohlauf seien. Mein Bauchgefühl sagte mir allerdings etwas anderes. Deshalb bat ich meinen Freund, der mittlerweile wieder in Pattaya war, mal zu schauen, ob die Katzen noch in der Nähe waren. Er ging verschiedene Male zu meinem Apartment sah aber weder Meow noch Pussy.

Sonntag, 13. November 2011

Mimi und Momo
Pattaya ist eine Stadt mit Hunderten von sogenannten Bierbars, die häufig zu Dutzenden mit einem Tattoo Studio und einem Verschlag, aus dem heraus Yadong, ein traditioneller Thai Schnaps mit angeblich medizinischen Wirkungen, in einem Bereich zusammengefasst sind.

In einer solcher Bars spielte ich gelegentlich Poolbillard und nahm dann auch schon mal einen oder zwei Yadong zu mir.

Eines Tages bemerkte ich vor dem Yadongladen ein halbwüchsiges schwarzes Kätzchen, das ein Halsband trug. Es schien hungrig zu sein und ich fragte Uan, die den Yadongladen betrieb, ob die Katze jemandem gehöre. Sie sagte mir, dass ihr Besitzer seine Bar aufgegeben habe und nun verschwunden sei. Niemand kümmere sich nun um sie. Ich ging ein paar Fleischspießchen holen und das Kätzchen schlang die Happen gierig hinunter. Als ich Uan fragte, ob sie auf die Katze achtgeben könne, wenn ich ihr Futter für sie brächte, willigte sie ein.

Seit dem Tag ging ich fast täglich einmal nach Mimi schauen. Mimi bekam ihren Namen auf Vorschlag eines chinesischen Bargirls gleichen Namens, das zur Stammkundschaft des Yadongladens gehörte. Uan nahm sich Mimi liebevoll an und so richtete sie sich in Uans Laden ein.

In den folgenden Monaten wuchs Mimi zu einer stolzen Schönheit heran, nicht einen Deut daran interessiert sich mit den anderen Katzen zu beschäftigen, die auch inmitten der Bierbars hausten.

Nachdem ich nach einem dreimonatigen Aufenthalt in Deutschland in Pattaya zurück war und meine Besuche bei Uan und Mimi wieder aufgenommen hatte, hatte ich Ende April den Eindruck, dass es an der Zeit war, an eine Sterilisation von Mimi zu denken. Ich nahm sie nach der Operation für eine gute Woche zu mir in mein neues Apartment, das mir mein  Projektpartner zur Verfügung gestellt hatte. (Näheres weiter unten).

Mimi lebte sich problemlos in die neue Umgebung ein, und da wir uns schon zuvor gut verstanden hatten, hatte ich den Eindruck, dass sie bleiben wollte. Das war allerdings nicht möglich, da mein neuer Geschäftspartner keine Tiere auf Dauer in seinem Haus haben wollte. So brachte ich Mimi also zurück zu Uan.

Eines Tages, als ich Mimi auf meiner täglichen Tour besuchte, präsentierte mir Uan Momo, einen winzigen grau getigerten Kater, den ihr jemand vorbei gebracht hatte, der wusste, dass sie sich um Katzen kümmert.

Während der folgenden drei Wochen wuchs Momo um keinen Zentimeter, vermutlich, weil er mehrfach unter einer Dauerdiarrhoe litt. Da Uan ihren Laden nur des Nachts betrieb und die Katzen tagsüber sich selbst überlassen blieben; und da der Laden selbst und dessen Umgebung nicht übermäßig sauber waren, um es mal so auszudrücken, überlegte ich Momo für eine gewisse Zeit zu mir zu nehmen, damit er sich erholen und wachsen konnte.

Zu dieser Zeit arbeitete ich an dem Projekt und war den ganzen Tag zu Hause. Momo lebte sich gut ein und versuchte sich seiner Tage zu erfreuen. Nach einigen Tagen stellte ich ihn der Tierärztin vor, die mir riet verschiedene Diäten auszuprobieren, um herauszufinden, was ihm fehlt. Sie machte mich auch auf die Gefahr einer Dehydrierung aufmerksam.

Ich informierte mich auch im Internet und fütterte Momo mit Hähnchenfleisch so gut ich konnte aber in den folgenden zwei Wochen verschlechterte sich Momos Zustand und eines Morgens fand ich ihn sterbend vor. Ich raste mit ihm zur Tierklinik aber dort konnte man nur noch seinen Tod feststellen.

Ich war untröstlich ihm nicht helfen zu können und auch deshalb, weil er das erste Tier war, das in meiner Obhut gestorben war. Ich wusste damals nicht, dass noch viele andere folgen sollten.

Freitag, 11. November 2011

Meows Streifzüge
Meow war nun zu einem ausgewachsenen Kater mit einem reichen Erfahrungsschatz herangewachsen. Verschiedene Male kam er morgens mit kleinen Verletzungen zurück, die ich selbst behandeln konnte. Eines Tages jedoch schleppte er sich mit einer hässlichen Bisswunde an seinem Hinterteil zur Tür herein. Ich vermute sie stammte von einem Kampf mit einem Hund. Ich musste Meow in eine Tierklinik bringen, wo er unter Narkose operiert wurde. Nach einer Woche war er so gut wie wieder hergestellt und war nicht mehr im Haus zu halten.

Meows Lieblingsfeind war der dicke kastrierte Kater meines norwegischen Vermieters Rick. Rick wohnte zwei Häuser weiter und unsere beider Terrassen waren für die Katzen frei zugänglich. Ricks Kater und Meow liebten es in das Territorium des jeweils anderen einzudringen und so waren Kämpfe zwischen den beiden eher die Regel als die Ausnahme.

Eines Tages tat ich etwas was ich nicht hätte tun sollen. Meow und Ricks Kater standen sich mal wieder fauchend auf unserer Terrasse gegenüber, und um einen Kampf mit möglichen unangenehmen Folgen vermeiden zu wollen, trat ich zwischen die beiden. Just in diesem Moment setzte Meow zum Angriff auf seinen Kontrahenten an und anstatt ihm eine Lektion zu erteilen er grub seine Zähne in meine Wade, die heftig zu bluten begann.

Ich hätte nie gedacht, dass ein Katzenbiss solche Folgen haben könnte und dass Meow in der Lage war sein Maul so weit aufzureißen. Der Abstand der Bisswunden verursacht von Oberkiefer- und Unterkieferzähnen betrug gestandene acht Zentimeter. Ich entschloss mich zur Behandlung eine Klinik aufzusuchen, in der ich über 2 Wochen eine Reihe von Injektionen gegen Tollwut verabreicht bekam. Später erfuhr ich, dass der Katzenbiss der zweitgefährlichste nach dem Menschenbiss ist.

Gewöhnlich kam Meow jeden Morgen von seinen Exkursionen zurück; selten einmal blieb er zwei Nächte lang weg, aber niemals länger. Anfang Juli aber sah ich ihn für mehrere Tage nicht zurückkommen und machte mir Sorgen.

Pussy litt offensichtlich auch unter seiner Abwesenheit und wandte sich schließlich einem hübschen jungen Kater zu, der neuerdings zuweilen auf der Terrasse auftauchte. Der Kater kam nun jeden Tag vorbei und versuchte wohl Meows Platz einzunehmen. Ich nahm deshalb Kontakt mit der Naklua Klinik auf um Pussy sterilisieren zu lassen.

Zwei Wochen waren vergangen, da sah ich eines Morgens eine zerzauste Katze vor meiner Terrassentür hocken. In dem Moment, wo ich die Tür öffnete, wurde mir klar, dass es Meow war, der sich ausgehungert über die Futternäpfe hermachte.

Ich war so froh ihn wiederzusehen aber das Leben draußen hatte offenbar seinen Eindruck auf ihn nicht verfehlt und es dauerte einige Tage, bis sich wieder eingewöhnte und auch seine gewohnte Beziehung zu Pussy wieder aufnahm.

Ausdruck dafür war die Flucht von Pussys neuem Verehrer, der nicht ahnend, dass sein Vorgänger zurück war, von Meow nach einer wilden Verfolgungsjagd durch alle Zimmer aus dem Apartment vertrieben wurde. Ich werde das Bild, das Pussy dabei abgab, nie vergessen.

Sonntag, 6. November 2011

Unser neues Zuhause
Im Frühjahr 2009 quittierte ich den Job und zog mit Meow in ein renoviertes Apartment in einer heruntergekommenen Siedlung an der Naklua Soi 14. Unser neues Heim war riesig und erstreckte sich über zwei Etage. Die dritte Etage verfügte über einen geräumigen Balkon und die vierte Etage über eine 30 m² große Dachterrasse.

Obwohl ich mir diesen Luxus eigentlich nicht leisten konnte, denn ich war ja nun arbeitslos und ohne Einkommen, bezog ich dieses Apartment, weil ich Meow die Möglichkeit bieten wollte, frei ein und auszugehen und über die angrenzenden Dächer zu streifen. Damit er ein und ausgehen konnte, ließ ich die Terrassentür immer einen Spalt offen stehen und es dauerte nicht lange, bis sich andere Katzen einfanden und eine davon entschloss sich zu bleiben. So fütterte ich auch diese und nannte sie Lady.

Nicht lange danach bemerkte ich, dass sie zwei Junge hatte, die auf dem Dach des angrenzenden Hause lebten. Das eine war eine grau-getigerte mit einer ähnlichen Fellzeichung wie ihre Mutter und das andere eine schwarze mit einem weißen Fleck auf der Brust. Das Tigerkätzchen war viel größer als das Schwarze und recht mutig, wohingegen das Geschwisterchen sehr scheu war.

Ich musste Lady vertrauen, dass sie ihre Jungen gut versorgt, mehr als sie füttern konnte ich ja nicht. Aber nach einigen Tagen sah ich nur das schwarze Kätzchen regelmäßig und das getigerte Junge tauchte nie wieder auf. Aus welchen Gründen auch immer verhielt sich Lady seitdem feindselig gegenüber dem schwarzen Kätzchen und ließ es nicht mehr an sie heran.

Glücklicherweise war ich nicht mehr so unerfahren wie ich es war als sich Meow in der gleichen Entwicklungsphase befand. So schaffte ich es Pussy, so nannte ich sie, spielerisch in mein Apartment zu locken, wo sie dann auch Futter zu sich nahm. Nach ein paar Tagen wurde sie mutiger und erschien auch auf der unteren Etage. Erstaunlicherweise nahm sich Meow ihrer an und so waren wir dann zu dritt. Meow verhielt sich zu Pussy wie ein älterer Bruder, zeigte ihr ein und auszugehen und nahm sie schließlich nach einigen Wochen mit auf seine nächtlichen Streifzüge.

Lady erschien weiterhin regelmäßig um sich ihre Futterration abzuholen, zeigte jedoch keinerlei Interesse an Pussy, die es auch ihrerseits nach einigen Tagen aufgab, sich Lady anzunähern. Trotz ihrer Weigerung sich weiter um Pussy zu kümmern, versuchte es Lady hartnäckig sich in unser Apartment einzuquartieren. Da sich allerdings ihr Verdauungssystem in einem leicht chaotischen Zustand befand und sie unter chronischem Durchfall litt, war sogar Meow es leid Lady zu sehen und jagte sie regelmäßig hinaus, wenn sie versuchte die obere Etage zu betreten.

Freitag, 4. November 2011

Es fing alles mit Meow an
Ich lebe seit mehr als vierzehn Jahren in Thailand, davon seit über elf Jahren in Pattaya. 

Als ich vor ca. fünf Jahren für eine Marketing Agentur in Jomtien arbeitete, fand die Frau von meinem Boss ein Kätzchen im Korb von meinem Scooter, den ich vor dem Büro geparkt hatte. Das Kätzchen war so winzig und halb verhungert, dass ich dachte, dass es nicht überleben würde und wenn ich ehrlich bin, war ich an seinem Schicksal auch nur nebenher interessiert, da ich zu der Zeit ein nur distanziertes Verhältnis zu Tieren hatte.

Die Agentur war in einem so genannten 3-Etagen shop house untergebracht. Mein Arbeitsplatz war im dritten Stock und ich bewohnte ein Apartment im vierten Stock.

Nach einer Woche war das Kätzchen immer noch am Leben, und jedes Mal wenn ich runter ins Büro ging, sah ich es im Vorraum sitzen. Ich begann mich für sein Wohlergehen zu interessieren, säuberte seinen Napf und gab ihm frisches Wasser. Das Kätzchen war pechschwarz und ich entdeckte, dass es ein Kater war.

Das Katerchen wurde zunehmend abenteuerlustig und ich bemerkte, dass die Frau von meinem Boss und deren kleine Tochter das Interesse an ihm verloren. Deshalb kümmerte ich mich mehr und mehr um Meow, so nannte ich ihn. Meow heißt nichts anderes als 'Katze' auf Thai und am Anfang war das kleine schwarze Ding eben nur eine Katze für mich. Aber eigentlich ist 'Meow' ein Spitzname für Thai Mädchen und Frauen.

Nachdem Meow es schaffte allein die Treppe hochzusteigen, war er mehr bei mir oben als unten bei den Thai Leuten.

Mit der Zeit wuchs meine Zuneigung zu Meow und als er sechs Wochen alt war, nahm ich ihn zum ersten Mal mit nach draußen. Vor dem Haus gab es ein ausgedehntes Stück Grasland auf dem es Meow nach ersten zögernden Versuchen liebte herumzustreifen.

Eine Woche später turnte er schon über die Dächer der Nachbarhäuser, kam aber immer aus irgendeiner Ecke hervor, wenn ich ihn rief.

Eines Tages, als ich vom Einkaufen zurückkam, hörte ich Meow jämmerlich von oben herab miauen. Er war aus meinem Apartment durch das offene Fenster auf einen Sims geklettert und konnte nicht vor und nicht zurück. Ich kletterte die Außenwand empor, nahm ihn in meinen Arm und kletterte wieder nach unten. Etwa zwei Meter über dem Boden versuchte er sich zu befreien und da ich fürchtete, dass er sich beim Aufprall auf den Betonboden verletzen würde, sprang ich mit ihm im Arm herunter.

Ich habe eine Menge Sport in meinem Leben betrieben und meinte ein Sprung aus zwei Meter Höhe sollte kein Problem sein. Ich landete auch sicher und ließ Meow los, der davonrannte. Als ich mich aufrichtete, schoss ein stechender Schmerz aus meinen Füßen hervor. Ich konnte nicht mehr auftreten und musste auf Händen und Knien ins Haus und die Treppe hinauf in mein Apartment kriechen. Am nächsten Morgen waren meine Füße blau und ich konnte weder stehen noch gehen.

Es dauerte zwei Wochen, bis ich allmählich wieder sachte herumschlurfen, mich auf meinen Scooter schwingen und eine Klinik aufzusuchen konnte. Dort eröffnete man mir, dass einige Bänder gerissen waren und dass es noch etliche Wochen dauern würde, bis ich wieder schmerzfrei gehen könne. Zu dieser Zeit war mir nicht klar, dass es noch sechs Monate dauern würde, bis ich wieder einigermaßen normal würde gehen können.

Mein Boss war nicht besonders erfreut über meine eingeschränkte Nutzbarkeit und im Rückblick weiß ich nun, dass dieser Zwischenfall der Anfang vom Ende meiner Beschäftigung in dieser Agentur war.